Kirchenbau

Kịr|chen|bau 〈m.; -(e)s, -ten〉
I 〈unz.〉 Bau von Kirchen
II 〈zählb.〉 Gotteshaus, Kirche

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Kịr|chen|bau, der <Pl. -ten>:
1. <o. Pl.> das Bauen von ↑ Kirchen (1).
2. Kirche (1):
moderne -ten.

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Kirchenbau,
 
Sakralbau, dem christlichen Gottesdienst beziehungsweise der Kultausübung dienender Bau. Nach Rang und Funktion unterscheidet man Bischofskirchen (Dom, Münster, Kathedrale), Pfarr- und Klosterkirchen, Kapellen, Oratorien, Wallfahrtskirchen u. a. Der Kirchenbau in der abendländischen Baukunst wird bestimmt durch die aus der Spätantike übernommenen Formen der Basilika und des Zentralbaus, gelegentlich durch Verbindungen beider Formen. Neben einfachen Saalkirchen mit Rechteckchor oder Apsis entwickelten sich seit karolingischer Zeit neue Bautypen: Zum Langhaus traten in der aufwendigsten Form West- und Ostapsis, Westtürme, zwei Querschiffe mit Vierungstürmen. In der Romanik herrschte das gebundene System vor; die Kirche wurde oft durch eine Krypta oder Unterkirche erweitert. Besondere Bauregeln entwickelten die Orden (Bettelordenskirchen, Hirsauer Bauschule, Jesuitenbaukunst, Zisterzienserbaukunst). In der Gotik überwog das mehrschiffige Langhaus mit Querschiff und Chor mit Kapellenkranz, in der Spätgotik die Hallenkirche. Der in der italienischen Renaissance bevorzugte Zentralbau und dessen Verbindung mit dem Langhaus wurde besonders im deutschen-österreichischen Raum während des Barocks weiterentwickelt. Im deutschen protestantischen Kirchenbau errichtete man häufig Predigtkirchen (mit Kanzelaltar). Z. Z. des Historismus bevorzugte der katholische Kirchenbau barocke Formen; dem protestantischen Kirchenbau empfahl das »Eisenacher Regulativ« (1861) den gotischen Stil.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg suchte man auch im Kirchenbau nach neuen Ausdrucksformen. Bezeichnend dafür sind der Entwurf der »Sternkirche« (1921) und der Bau der Kirche auf der Pressa in Köln (1928) von O. Bartning sowie die Kirche Notre-Dame (1923) in Le Raincy bei Paris von A. Perret in Stahlbeton mit Betonmaßwerk. A. Gaudí nahm mit der Anwendung der neuen Materialien Stahl, Stahlbeton und Glas für seine Bauten viele erst später verwirklichte Gedanken (z. B. paraboloide Schalen) vorweg. Rudolf Schwarz suchte mit dem Bau der Fronleichnamskirche in Aachen (vollendet 1930) allein durch Proportion und Lichtführung den Raum zum Sinnbild des liturgischen Geschehens zu gestalten. Neben Schwarz trat v. a. D. Böhm als Kirchenbauer hervor. Die Errichtung von Notkirchen und gemeindenahen gottesdienstlichen Räumen nach dem Zweiten Weltkrieg leitete über zu neuen Lösungen, die die Flexibilität der Räume akzentuieren. In der Folgezeit profilierten sich auf dem Gebiet des Kirchenbaus in Deutschland v. a. die Architekten H. Striffler, E. Eiermann, G. Böhm und E. Steffann, in Österreich C. Holzmeister. In Frankreich errichtete Le Corbusier mit der Wallfahrtskirche in Ronchamp (1950-54) den bedeutendsten Kirchenbau nach 1945. In der Perret-Nachfolge bauten Karl Moser, sein Schüler F. Metzger und H. Baur in der Schweiz. Gewichtige moderne Kirchenbauten entwarfen ferner Eero Saarinen, A. Aalto, O. Niemeyer (Kathedrale in Brasília, 1960), P. C. Johnson (Crystal Cathedral in Garden Grove bei Los Angeles, Calif., 1980), Marcel Ferrier (griechisch-orthodoxe Kirche in Zürich, 1995 eingeweiht) und M. Botta (Kathedrale in Évry, 1991-95, 1996 geweiht).
 
 
O. Bartning: Vom neuen Kirchbau (1919);
 
Kirchen. Hb. für den K., hg. v. W. Weyres u. a. (1959);
 G. Merkle: K. im Wandel (1973);
 H. Schnell: Der K. des 20. Jh. in Dtl. (1973);
 B. Kahle: Dt. Kirchenbaukunst des 20. Jh. (1990);
 H. Sedlmayr: Die Entstehung der Kathedrale (1993);
 G. Bandmann: Mittelalterl. Architektur als Bedeutungsträger (101994);
 D. Conrad: K. im MA. Bauplanung u. Bauausführung (21997).

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Kịr|chen|bau, der: 1. <o. Pl.> das Bauen von Kirchen (1). 2. <Pl. -ten> Kirche (1): neuzeitliche -ten.

Universal-Lexikon. 2012.

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